18.09.2021

Bei uns aktuell: Schrebi, w, ca 6 Wochen alt
Im Außengehege: niemand

Unser Pflegling ist im Moment nicht gut drauf, wenn man von oben auf ihre Nase schaut sieht man „in Fahrtrichtung links“ eine Schwellung, sie niest und ist sehr anlehnungsbedürftig wie an den ersten Tagen bei uns, ihren Platz unterm Pulli oder T-Shirt verlässt sie nur unter Anwendung unmittelbaren Zwangs und lautem Protest. Ihr linkes Auge ist auch etwas weniger auf als das andere und es glänzt ein wenig. Hoffentlich ist es nur harmlos, woauchimmer es herkommen soll, wir beobachten genau und bieten an was geht, wahrscheinlich gehen wir auch zum TA mit ihr. Ansonsten kommt sie im Wohnzimmer gut zurecht, klettert die Seile fix rauf und runter, springt sehr viel und tobt auch gelegentlich ausgelassen herum wie ein kleiner Ziegenbock. Sie wiegt aktuell 120 g, da hat sie in den letzten Tagen 25 g zugenommen, das ist erfreulich.


Im Wildwald sind wir besorgt über eines unserer „Wildhörnchen“, es hat offenbar Parasiten und mittlerweile einige kahle Stellen im Fell. Das ist nicht gut, die Parasiten werden sich weiter ausbreiten und möglicherweise sogar auf die anderen Hörnchen übertragen, weil sie sich ja an den Futterstellen treffen. Leider ist der Kandidat (könnte Luigi sein) eher scheu, wir wollen versuchen, ihn mit unserem Kescher zu fangen und mit einem Medikament zu behandeln.
Einige tolle Nachrichten hinsichtlich der Versorgungslage: wir haben eine tolle Haselnussspende bekommen, 9 kg feinste Nüsse aus Kroatien, gespendet von Thomas. Unser Hörnchenfreund Gerhard hat trotz übler Krankheit es sich nicht nehmen lassen, die Baumhaselnüsse des Baumes vor seinem Haus aufzusammeln, teilweise schon zu entpacken und zu trocknen und uns zur Verfügung zu stellen. Das ist nun schon das dritte Jahr, in dem wir von Gerhard seine Baumhaselernte bekommen, das hilft ungemein. Die Einzelspender mit kleineren Mengen werden immer mehr, eine Kollegin hat uns ca 3 Kg Walnüsse vom eigenen Baum gegeben, eine andere Bekannte sammelt selbst und versucht, über ihre Foodsharinggruppe etwas zu organisieren, toll, klasse und vielen Dank an alle.

12.09.2021

Bei uns aktuell: Schrebi, w, ca 6 Wochen alt
Im Außengehege: niemand

Schrebi ist definitv ein Glücksfall für uns – wir hatten eigentlich die Hörnchensaison schon abgehakt, dann kam Schrebi, und obwohl alles etwas kompliziert ist, bezaubert uns die Kleine immer wieder. Zuerst war sie sehr schüchtern und fast lethargisch, wollte nur direkt unter Pulli oder T-Shirt bleiben, jetzt ist sie voller Forscherinnendrang, tobt, klettert, hüpft ausgelassen herum, bis sie vor Müdigkeit nicht mehr kann. Eben noch hatten wir vermutet, dass sie ein Herzproblem hat, jetzt ist sie ein munteres Junghörnchen. Sie bräuchte dringend Gesellschaft von Ihresgleichen, das scheint aber nicht zu funktionieren, also bespaßen wir sie, so gut es geht.


Sie trinkt Milch und Wasser aus dem Schälchen, beschäftigt sich mittlerweile mit angeknackten Nüssen, auch Zirbennüsse und Sonnenblumenkerne hat sie schon probiert, aber noch mit wenig Erfolg. Alle Herausforderungen meistert sie souverän, sie klettert die Seile rauf und runter, sie springt sie auch schon rauf, Äste und der Kletterbaum (unser Schlauch aus Fleecestoff mit den Tortenringen drin) und auch die Gardinenstange, sind gar kein Problem. Sie erschreckt jedes Mal, wenn draußen eine Taube fliegt und Geräusche, z.B. von den Degus aus dem Nachbarzimmer, können sie schnell in Panik versetzen, Urin kann sie noch nicht selbständig absetzen, aber putzen klappt prima und Zeichengeben mit dem Schwanz funzt auch tadellos. Zwischendurch sucht sie immer wieder mal unsere Nähe, aber meistens nur kurz, dann gehts wieder weiter mit vollem Elan.


Im Wildwald läuft alles ruhig seinen Gang, zur Nußverteilung erscheinen meist 5-6 Hörnchen, Polli ist immer dabei, die anderen können wir nicht mehr so gut zuordnen. Viele Besucher erfreuen sich an den emsigen Tierchen, die unermüdlich Nüsse holen und verbuddeln, nur wenige lässt das unberührt, oft haben wir dort gute Gespräche.
Leider sind nicht alle Besucher waldverträglich unterwegs, z.B. wenn ganze Kindergruppen laut kreischend zwischen den Gehegen Fangen spielen oder Partygruppen den Wald mit einem Vergnügungspark verwechseln. Unsere Hörnchenoase ist meist weit vom Trubel entfernt, trozdem nervt es. Mittlerweile ist die Eingangstür zum Wald nach 17 Uhr von außen verschlossen, und obwohl Hinweisschilder den Zutritt danach verbieten, gibt es merkwürdige Zeitgenossen, die es lustig finden, die Tür aufzuhalten, damit auch späte Besucher noch reinkommen können. Und wenn dann noch Jogger mit Stirnlampen dabei sind, fehlt uns jegliches Verständnis, denn nach einem Tag mit Besuchern haben die Tiere im Wald wenigstens abends etwas Ruhe verdient, so viel Respekt sollte sein, oder? Mit Beginn der Hirschbrunft wird sogar ein Wachdienst patrouillieren! Leidtragende sind die „guten“ Besucher, die Fotografen z.B. und die stillen Genießer*innen, die sich vorbildlich verhalten.

09.09.2021

Bei uns aktuell: Schrebi, w, ca 6 Wochen alt
Im Außengehege: niemand

Schrebi gibt uns jede Menge Rätsel auf. Sie hat 15 g zugenommen, das ist ein gutes Zeichen, vor allem wo sie Milch aus der Spritze nicht nimmt. Ihr Verhalten aber gibt uns zu denken, sie ist ungeheuer ängstlich, wagt keinen Schritt allein und liegt fast den ganzen Tag irgendwo an einen unserer Körper geschmiegt und ruht oder turnt dort quasi auf der Stelle. Sie frisst nur, wenn wir ihr etwas direkt reichen oder in ihren ganz wenigen aktiven Momenten, in denen sie dann an eines der Buffets auf der Heizung geht. Ihr Erkundungsdrang dauert maximal 5 Minuten, dann sucht sie wieder Zuflucht, ihr Schlaftipi akzeptiert sie nur zur Nacht, notgedrungen. Solches Verhalten haben wir noch nie erlebt, auch bei unseren Einzelgängern nicht. Dabei macht sie einen völlig gesunden Eindruck, Vertrauen hat sie auch zu uns gefasst, so richtig ausgelassen wird sie nur, wenn sie möglichst in der Dunkelheit mit unseren Fingern spielen kann, dann tollt sie herum, legt sich auf den Rücken, lässt sich am Bauch krabbeln, kneift uns…


Kurze Zeit nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe, geht es genau in die andere Richtung: Schrebi ist munter, unternehmungslustig, offensichtlich guter Dinge, wir haben davon ein Video gemacht, das jetzt bei Youtube steht. Sie knabbert selbständig, kommt zwischendurch nur noch kurz zu uns und probiert alles aus, dabei ist zu sehen, dass sie prima klettert und sogar mit dem Seil ganz gut zurecht kommt, sie hangelt sich am Bügelbrett auf den Schrank (hätten wir nie gedacht), nur mit dem Herunterklettern klappt das noch nicht so. Jetzt wäre der Zeitpunkt, wo sie dringend ein Gesellschaftshörnchen bräuchte zum sozialen Lernen und zur Vermeidung von Langeweile, aber leider ist die Saison fast beendet und niemand kann oder will uns ein passendes Tier abgeben, klar, eine funktionierende Gruppe würden wir auch nicht trennen wollen. So wird Schrebi weiter Einzelgängerin bleiben, mehr oder weniger auf uns fixiert, und wir hoffen, dass das im Außengehege dann ein wenig ausgeglichen wird, denn dort ist sie ja die allermeiste Zeit allein.


Urin absetzen kann sie (noch) nicht allein, ansonsten ist alles gut, sie bewegt sich toll, hat keine Parasiten, Pipi und Köttel sind perfekt, die Zähne stehen so wie sie sein sollen, sie kann nagen, sich putzen und versucht sich mittlerweile auch an Sonnenblumenkernen und Zirbennüssen. Sie ist ein rechter Sonnenschein und macht uns viel Spaß.

Im Wildwald nimmt die Zahl der Hörnchen, die sich bei uns Futter und Vorräte holen, ab, jetzt sind es pro Abend vielleicht noch 6 Tiere, Vivi haben wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen, Polli ist noch täglich da genau wie Moritz und einige andere, die wir aber nicht mehr genau zuordnen können. Hoffentlich geht es allen gut.

06.09.2021

Bei uns aktuell: Schrebi, w, ca 6 Wochen alt
Im Außengehege: niemand

Am Freitag sind endlich Schrebis obere Schneidezähne durchgebrochen, vielleicht eine Erklärung für ihr
fast lethargisches Verhalten in den Tagen zuvor. Sie legt am Freitag auch sofort eine activity-Einlage
hin und erkundet das Wohnzimmer, sie klettert und springt prima, obwohl sie noch so ein kleiner
Fuzzi ist. Offensichtlich hat sie auch Vertrauen zu uns gefasst, es kommt so langsam alles ins
Rollen.

Am Wochenende entdecken wir, dass sie Milch lieber aus dem Schälchen schleckt, scheinbar hat
sie ein Problem mit Spritze und Sauger, und ihr Tipi hat sie mittlerweile als Schlafplatz akzeptiert,
obwohl sie noch lieber unter den Pullis ihrer Pflegeeltern einschläft. Morgens ist sie Langschläferin und
kommt auch erst aus dem Kobel, wenn wir sie holen, auch nach den Schläfchen zwischendurch möchte sie gern
abgeholt werden, gefressen wird ohne direkte Aufforderung nur im Tipi, niemals draußen am Buffet…ist
schon alles etwas anders als bei ihren Vorgängern, aber nix, was man nicht hinbekommen könnte. Und so ganz
nebenbei ist sie zuckersüss und bezaubert uns immer wieder mit ihren witzigen Einlagen.

Bisher haben wir kein Gesellschaftshörnchen gefunden, die Saison ist fast zu Ende, auch bei uns kommen keine Notrufe mehr an. Ihr fehlt natürlich eine Menge Lernstoff, den wir ihr auch nicht vermitteln können, und da wir auch noch auf den Winter zugehen und sie in einer unwirtlichen Jahreszeit in den Wald gehen wird, sollte sie in jeder Hinsicht superfit sein. Und sie allein im Außengehege über den Winter bringen ist auch nur eine eher theoretische Option. Etwas Zeit haben wir noch, schaun wir mal.


Wir haben am Sonntag die Baumhasel-Sammelsaison eingeläutet – mit erschreckenden Ergebnissen, 80 % der
Nüsse sind hohl oder besitzen einen verkümmerten Kern. Dabei haben wir gerade einen prima Platz mit
8 Bäumen gefunden und in kurzer Zeit zwei Taschen voll gesammelt. Die Baumhaselnüsse, z.B. von unserem
Vereinskollegen Gerhard aus Bergkamen, waren eine wichtige Stütze für unsere Futteraktionen, wenn uns
die wegbrechen, wird 2022 eine teure Saison.

03.09.2021

Den ganzen Dienstag über wollte Schrebi auf keinen Fall irgendwo allein bleiben, nicht in der Tragebox, nicht im Laufstall, zur Not hat sie sogar nach ihrer Mutter gerufen. Ruhig und zufrieden war sie nur, wenn sie sich bei einem von uns in die Hand oder die Kapuze kuscheln konnte. Milch will sie nur wenig und mit spitzen Lippen, sie knabbert immer wieder mal, gern Pekan- oder Haselnuß oder Butterkeks.


Ansonsten überrascht sie uns mit ihrer Wendigkeit, sie springt ohne Mühe, was eigentlich erst etwas älteren Hörnchen gelingt, dafür kann sie nicht richtig sitzen. Sie krabbelt am liebsten auf uns herum, traut sich aber keinen Zentimeter in den Raum hinein. Und sie kommentiert jeden einzelnen Schritt, ihre Stimme ist beinahe jede Sekunde zu hören, außer wenn sie schläft – da hat sie aber dann volles Vertrauen, da liegt sie auf dem Rücken und kuschelt sich an.
Schrebi ist sicher wieder ein ganz eigener Charakter, sie hätte draußen bei ihrer Mutter vermutlich nicht lang gebraucht, bis sie selbständig ist. So müssen wir jetzt mal schauen, wie es mit ihr weitergeht: finden wir ein Gesellschaftshörnchen, wann kann sie ins Außengehege, wann in den Wald? Auf der anderen Seite möchten wir sie nur ungern noch Monate über den Winter im Außengehege halten. Letzten Endes hängt das wohl von ihrer Entwicklung und dem Wetter Ende Oktober ab.


So langsam bauen wir das Wohnzimmer wieder hörnchengerecht um, allmählich kommt Routine in Schrebis Tag, ein großer Milchfan ist sie immer noch nicht, trinkt aber mal hier einen ml und dort zwei, Nüsse knabbert sie ordentlich, inzwischen auch Baumnüsse, die Pipiprozedur ist immer eine Quälerei. Erstaunlicherweise kann sie einige Dinge, die sonst eher ältere Hörnchen können (springen, schnell um einen Baumstamm rotieren, die „Bittstellung“ im Hinterpfotenstand mit zusammengelegten Vorderpfoten, mit dem Schwanz kommunizieren), auf der anderen Seite klappen einige Sachen, die schon jüngere können, nicht so gut, z.B. auf den Hinterpfoten hocken und eine Nuss zwischen den Vorderpfoten halten (endet oft mit einem Umkipper). Dazu ihr schlankes Gesicht und die fehlenden oberen Schneidezähne – Schrebi gibt uns einige Rätsel auf und passt so recht in kein Wachstumsschema.


Im WiWa geht alles seinen Gang, noch immer kommen einige Hörnchen zur „Fütterung“, tatsächlich werden wir auch schon am Eingang abgeholt und begleitet, wenn wir mal etwas später dran sind. Nach dem kommenden Wochenende reduzieren wir die Futtermengen, so langsam sollten alle in der Lage sein, selbst etwas zu finden, hoffentlich verteilen sie sich dann besser im Wald, der ist schließlich groß genug.

01.09.2021

Der Hörnchenwahnsinn hat uns wieder: am Montag kam ein Notruf aus Unna-Königsborn, dort wollte in einer Schrebergartenanlage ein Eichhörnchen gerettet werden und wich seiner Finderin nicht von der Seite. Kurze Zeit später war es bei uns, jetzt versuchen wir, „Schrebi“ zu versorgen.
Schrebi ist eine Eichkatze, vielleicht 5 Wochen alt, klein und schlank, kein Babykopf sondern eine schlanke Nase, die oberen Schneidezähne sind noch nicht zu sehen, und sie „meckert“ dauernd, vor allem, wenn wir sie in eine Tragebox ablegen, damit sie dort schlafen kann. Sichtbare Verletzungen hat sie keine, die Köttel, die sie uns schon geschenkt hat, sind perfekt, sie ist motorisch gut unterwegs, kann laufen, klettern und sogar schon springen. Flöhe hat sie nur wenige, das Fell ist sauber und glatt, der Schwanz fächert so langsam auf, und sie ist sehr agil. Und sie hat ganz genaue Vorstellungen, wo und wie sie ruhen möchte:

Flüssigkeit nimmt sie leider noch nicht, Pipi hat sie aber mit freundlicher Unterstützung ihrer Pflegeeltern schon gemacht, und die ersten Knabberversuche an Wal- und Haselnusskernen waren auch schon erfolgreich. Mit nur zwei Schneidezähnen im Unterkiefer landet da mehr in der Umgebung als im Bauch, aber das Interesse zählt!
Unmittelbar nachdem wir sie bekommen haben wollten wir in den Wildwald, auf dem Weg dahin mit unserem Hörnimobil wurden wir an einer Ampel aufmerksam auf die Fahrerin eines anderern Autos, die uns etwas sagen oder zeigen wollte, kurze Zeit später schellt das Hörnchenfon…da hat ein Eichhörnchen ein Schlafzimmer in einem südlichen Ortsteil von Unna geentert und sich unterm Boxspringbett versteckt, die Hunde der Bewohnerin hätten es gern gejagt, wir sind sofort hin mit Keschern, und nach der Zerlegung des Bettes sprang ein völlig verstörtes Hörnchen praktisch direkt in den Kescher, wir konnten es nach draußen bringen und dort, weil es offenbar keinen weiteren Betreuungsbedarf hatte, wieder in die Freiheit entlassen.
Danach konnten wir doch noch in den Wildwald, 8 Hörnchen waren zeitgleich an den Futterstationen am Außengehege, also immer noch großer Trubel.
Für Schrebi bräuchten wir jetzt noch ein Gesellschaftshörnchen, sie soll nicht allein bleiben, da schaun wir jetzt einfach mal, was in den nächsten Tagen noch so passiert, ansonsten müssen wir sie vielleicht weiter vermitteln. Im Moment zählt erst einmal nur, dass sie trinkt und isst und bei uns ankommt.