11.06.2022

==> im Auswilderungsgehege Lina und Lino (ca. 10 Wochen)
==> im Wohnzimmer Lilly, Fee & Lotta (ca. 7 Wochen), Sammy (ca. 5 Wochen), Amelie & Fridolin (ca. 6 Wochen)

„Lachende“ Verzweiflung

Anders lässt sich der Zustand der 6 Hörnchen im Wohnzimmer eigentlich nicht beschreiben. Amelie und Fridolin mussten zur TA, sie hören sich beim Atmen nicht gut an, vor allem nachts. Traurige Erkenntnis, beide haben Wasser oder ähnliches in der Lunge, bei Amelie nur rechtsseitig, bei Fridolin auf beiden Seiten und wesentlich stärker, er zieht sich auch häufig zurück und wollte gestern schon keine Milch mehr. Das ist so ein „angedrohtes“ Todesurteil. Mit ganz viel Glück, wenn das Ausmaß nicht ganz so hoch ist, können sie es schaffen, aber das werden die nächsten Tage zeigen. Das ist unsere Verzweiflung. Wir versuchen ihnen so gut es geht gerecht zu werden. Fridolin mag sehr gerne Babybrei, also bekommt er ihn. Ob es daran liegt, dass er besser als die Milch schmeckt oder einfach weil er in der Konsistenz zähflüssiger ist, hat er uns nicht erzählt. Egal, er nimmt ihn und jeden Morgen, an dem wir die beiden begrüßen dürfen ist ein Tag mehr in Richtung Genesung. Aber wir wissen aus Erfahrung, es kann ganz schnell umschlagen. Die beiden brauchen ganz viel gedrückte Daumen.

Sammy ist wie zu erwarten unser Bindeglied zwischen den Großen. Lilly aber auch, sie gesellt sich mit ihrem Wackelkopf auch immer gerne zu den Kleinen, kuschelt mit ihnen und sehr gerne auch mit uns, verzieht sich aber auch, wenn sie genug gekuschelt hat.

Und ja, alle Eichhörnchen haben einen eigenen Charakter, das merkt man an der Gruppe ganz extrem. Lotta macht ihr eigenes Ding, wenn sie „spielen“ will, gesellt sie sich dazu, ansonsten hält sie sich abseits und plündert die Futternäpfe und sie hat sich den Schlafplatz im Kletterbaum ganz oben reserviert. Fee, die Größte und Schwerste, hat sich den höchsten Kobel im Wohnzimmer reserviert, sie schläft auf der Vitrine. Gesellt sich gerne auch beim Toben dazu, fordert auch ihre Milchspritze ein und hat sich vor allem das Stück Hirschgeweih in ihren Kobel befördert, dass da auch keiner mehr von den anderen was abknabbern kann. Gut, dass es mehrere Stücke im Vorrat gibt.

Wie geschrieben Lilly hängt noch so ein bisschen dazwischen, ist aber eher bei den Kleinen, als bei Lotta und Fee. Sie hat nach wie vor Defizite, kann aber alles knabbern, trinken, springt und tobt mit den Kleinen, nur noch etwas „langsamer“ als Fee und Lotta. Sie braucht Zeit und die soll sie auch bekommen.

Für uns derzeit also eine muntere, aufgeweckte Truppe im Wohnzimmer, immer mal wieder für Überraschungen gut: wenn man meint, um 20.30 Uhr das Wohnzimmer „lüften“ zu können, ohne dass ein Eichhörnchen ausbüxt, dann aber feststellen muss, dass plötzlich alle aus den Kobeln kommem und noch mal bespaßt werden wollen. So war das von unserer Seite natürlich überhaupt nicht gedacht, ist auch nicht „eichhörnchentypisch“, aber wir nehmen es lachend „in Kauf“, dass sie mal wieder unseren Tagesablauf völlig durcheinander bringen. Nicht das Erste und nicht das letzte Mal!

Aber jetzt noch ein paar Bilder und ein Video von den Outdoorhörnchen:

08.06.2022

„Unna“-eraner Neuzugänge:
Gestern gab es zwei Neuzugänge aus Unna. 2 Rückführungen haben leider nicht geklappt, die Mutter ließ sich trotz Hörnchen-Ruf-Lockton nicht herbeirufen andere Hörnchen waren auch nicht zu sehen. Die beiden heißen Amelie und Friedolin, die Namen haben sich die Kinder am Fundort ausgesucht. Sie sind beide noch sehr aufgeregt und zappelig, Milch aus dem Sauger nehmen sie gerne, wenn auch noch nicht ausreichend, aber das ist der Aufregung geschuldet und völlig normal. Pipi ist auch in Ordnung. Da Amelie auch ordentlich niest, muss sie leider Bekanntschaft mit unserer TA machen, die Lunge hört sich erst mal gut an. Aber das lassen wir besser von der Fachfrau abklären.

Obwohl sie erstaunlicherweise weder Flöhe noch Zecken mitgebracht haben, müssen sie noch in Quarantäne bleiben, denn die Wohnzimmerbesatzung soll ja nicht mit irgendetwas Fiesem angesteckt werden, das man auf den ersten Blick nicht sieht. Aber, sie sind zu Zweit und wenn man Eine/n nur zum Füttern rausnimmt, meckert der/die Andere ohne Unterlass. Sie hängen sehr aneinander. Von daher werden sie die Quarantäne bestimmt gut überstehen.

Eigentlich ist unser Wohnzimmer mit 4 Hörnchen schon gut gefüllt, aber es sind „Unnaer Kinder“ und unser Verein Aktion Eichhörnchen e.V. hat sich der Pflege und dem Schutz der Eichhörnchen insbesondere aus Unna gewidmet, so dass die beiden noch in die Gruppe im Wohnzimmer integrieren werden. Wird nicht einfach, das wissen wir! Sie müssen sich erst an uns gewöhnen und dürfen dann erst ins Wohnzimmer übersiedeln. Aber wir sind uns sicher, die beiden schaffen das.

Das hat z.B. jetzt auch Sammy mit Bravour gemeistert. Er, der eigentlich 2 Wochen jünger ist, tobte heute morgen mit den 3 „großen“ Damen durch das Wohnzimmer. Er hängt sich so ein bisschen an Lilly dran, die noch Defizite bezüglich ihres Schädel-Hirn-Traumas hat, er seilt sich auch früher in seinen Kobel ab, weil er einfach noch mehr Schlaf benötigt. Aber er will mitspielen und das „Wollen“ ist das Ausschlaggebende. Fridolin und Amelie liegen quasi genau zwischen Sammy und den drei Damen Lilly, Fee und Lotta. Die Schwierigkeit für uns ist immer, das Ganze „abzubremsen“, nicht zu schnell, alles in Ruhe. Wir dürfen die Tiere weder unter- noch überfordern. Aber wenn es dann klappt, wie jetzt bei Sammy, sind wir doch einfach nur froh und glücklich, den Tieren vielleicht doch noch eine schöne Kindheit zu verschaffen, wenn sie auch nicht „natürlich“ ist, das wissen wir. Wir können die Eichhörnchenmütter nicht mehr herbeizaubern und wir sind ganz weit weg davon sie zu „ersetzen“, das geht nicht.

Und damit die Beiden nicht in Vergessenheit geraten: Lina und Lino sind im Auswilderungsgehege im Wildwald angekommen. Sie scheinen nach wie vor in der Hängematte zu übernachten, die anderen Kobel sind noch völlig unberührt. Lina läuft schon stereo, aber es hilft nichts, sie muss sich erst noch an die neue Situation, die Geräusche, den Rufen von Habicht, Waldkautz und Rotmilan lauschen, bevor sie nach draußen darf.

06.06.2022

==> im Auswilderungsgehege Lina und Lino (ca. 10 Wochen)
==> im Wohnzimmer Lilly, Fee & Lotta (ca. 6 Wochen), Sammy (ca. 4 Wochen)

Umzug ins Auswilderungsgehege
Lina und Lino sind gestern in das Auswilderungsgehege im Wildwald Vosswinkel umgezogen. Wir hatten schon mit einem problemlosen Umzug gerechnet, aber die beiden haben uns doch noch überrascht. Bis ca. 9 Uhr durften sie noch im Wohnzimmer toben, danach werden sie im Allgemeinen ruhiger. In weiser Voraussicht haben wir ihnen morgens am Frühstücksbuffet weder Wassermelone noch Maronen angeboten. Wir wollten es zuerst mit unserer großen, grauen Transportbox versuchen, damit sie gemeinsam „reisen“ können und nicht in einzelnen Transporttaschen. Also Wassermelone, Maronen und ein paar Pistazien in die Box gelegt, dazu eine ihnen bekannte Decke. Deckel auf und binnen 10 Sekunden saßen beide in der Box und haben sich über die Leckerlies hergemacht. Deckel zu, Decke drüber und ab in den Wildwald. Nach 30 Minuten im Gehege „Deckel auf“. Heraus kamen sofort zwei satte Eichhörnchen und tobten durch das Gehege. Lino kletterte und tobte noch auf uns rum, Lina war etwas reservierter. Selbstverständlich haben wir sie am abend noch mal besucht. Dort haben wir sie in der Hängematte unter dem Dach angetroffen und sie ließen sich beide noch knuddeln. Heute morgen freuten sie sich dann über die mitgebrachten Leckerlies, beobachteten die zahlreichen Hörnchen an den Außenfutterstationen. Alleine Lina zeigt schon Tendenzen, dass sie raus will in dem sie an einer Stelle immer auf- und abläuft. Da muss sie sich leider noch ein bisschen gedulden.

Umzug ins Wohnzimmer:
Mit dem Auszug von Lina und Lino durften die restlichen Hörnchen in der Wohnung, Lilly, Fee und Lotta aus dem Badezimmer und Sammy aus seiner Quarantänebox ins Wohnzimmer umziehen. Auch das erfolgte ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Die drei Badezimmerhörnchen haben sich sofort auf den Weg gemacht das frisch gereinigte und bezogene Wohnzimmer wieder neu zu erkunden. Sammy ist derzeit noch ein Couchhörnchen, versucht sich aber am Spiel auf der Couch schon zu beteiligen und fordert ganz eindeutig sein Recht an der Milchspritze ein, auch gegenüber den 2 Wochen älteren Kolleginnen. Gut so. Er wird ihnen hoffentlich bald hinterhereilen.

Hier noch ein Video von Lilly, Fee und Lotta

Notruftelefon
Nach wie vor kommen Notrufe an, z.T. direkt über unser Notruftelefon, z.T. über eine Vermittlungsgruppe. Die meisten Finder sind wirklich toll, scheuen keine Mühe, bringen die Tiere auch, soweit es möglich ist und die Meisten lassen auch eine kleine Spende da. Im Gegenzug versuchen wir die Finder am Aufwachsen der Tiere mit Bildern und Videos zu beteiligen, manchmal können wir auch noch einen späteren Besuch arrangieren, spätestens aber im Wildwald können sie ihre Findlinge noch mal besuchen. Heute allerdings hatten wir es mit einer Finderin zu tun, die es einem wirklich schwer macht. Wir haben uns bei ihr wegen 2 angeblichen Jungtieren gemeldet, die in Lüdenscheid saßen. Ist jetzt nicht unser Gebiet, aber die Kollegin aus Lüdenscheid war gerade in Bielefeld unterwegs und nicht erreichbar. Dann springt man auch mal ein. Die Finderin meinte aber, es wäre alles erledigt und wir sollen sie jetzt nicht weiter belästigen!? Oh!? Weitere Nachfragen ergaben, dass sich die Polizei darum gekümmert hätte. Noch merkwürdiger. Die Polizei in Lüdenscheid wusste von gar nichts. Mehrere Telefongespräche später haben wir dann erfahren, dass die Eichhörnchen bei einem Tierarzt waren und irgendeiner Pflegestelle übergeben wurden. Aus Datenschutzgründen darf er aber keine Namen nennen. Müssen wir auch überhaupt nicht wissen. Allein der Umgang der Finderin mit uns am Telefon war niederschmetternd. Wir sind alle ehrenamtlich unterwegs, von Zeit und Geld mal abgesehen, und versuchen immer zum Wohle der Eichhörnchen zu handeln. Wenn uns das aber durch die Finder verwehrt wird, wir noch beschimpft oder wir im unklaren gelassen werden, was mit den Eichhörnchen geschehen ist, können wir unsere Arbeit auch einstellen. Gut, dass es wirklich nur Einzelfälle sind. Der Ärger ist aber recht schnell verraucht, wenn man bei der nächsten Fütterung in diese kleinen Augen schaut:

04.06.2022

Auswilderung geglückt!

Gestern am frühen Morgen haben wir das Gehege für Balou, Alya und Flora geöffnet, denn es war nicht zu erwarten, dass sie freiwillig innerhalb der nächsten 1/2 Stunde das Gehege verlassen. Da sie die Nähe zu uns schon verloren hatten, hatte es auch keinen Sinn zu warten. Bis wir abends wieder an das Gehege kamen, waren alle drei verschwunden, wir meinen Flora noch um das Gehege herumstreunen gesehen zu haben, wir sind uns allerdings nicht sicher. Das Gehege wurde jetzt wieder gereinigt, der genutzte Kobel (sie haben offensichtlich alle in einem Kobel geschlafen, alle andern waren noch „nagelneu“) ausgeräumt, alles wieder sauber gemacht, so dass die Nächsten einziehen können. Ansonsten herrscht ordentlich Trubel morgens im „Schmitzies Hörnchenwald“ rund um das Auswilderungsgehege!

Letzter Tag!

Heute haben Lina und Lino ihren voraussichtlich letzten Tag im Wohnzimmer, morgen geht es für sie in Richtung Waldschule. Beide sind superfit, die Nase von Lina hat zwar noch eine Kruste, aber da sollte im Normalfall nichts mehr passieren. Und die beiden haben heute mal wieder alles gezeigt, was sie drauf haben. Sprünge über 2 m, schnelle Wechsel und flinke Drehungen, den Olivenkletterbaum halb ausgebuddelt und leider auch Stereolaufen am Wohnzimmerfenster. Es wird Zeit für sie und wir sind uns sicher, dass sie sich schnell im Auswilderungsgehege eingewöhnen.

Neuzugang Sammy!

Gestern nacht/heute Morgen (1 Uhr) kam noch Sammy hier an. Er wurde sehr spät gefunden, die Mutter hat ihn nicht mehr abgeholt (das Geschwisterchen sehr wohl), also wurde Sammy aus Bochum noch gebracht. Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an die Finder. Sammy lag auf einem warmen Kirschkernkissen mit Decke, perfekt. Er wiegt aktuell 95 Gramm, ca. 5 Wochen alt und wird nach der Quarantänezeit zu Lilly, Fee und Lotta dazustoßen. Er ist zwar der „Leichteste & Jüngste“, aber wir sind uns sicher, dass ihn die 3 Damen anspornen, den Unterschied schnell wett zu machen. An den Sauger hat er sich binnen eines Tages gewöhnt und schlabbert sich ca. 2,5 ml alle 3 Stunden weg. Pipimachen geht noch nicht so toll, aber vielleicht braucht er ja auch noch Zeit. Meist ist es ja unklar, wann er das letzte Mal Milch von der Mama bekommen hat und wie es um sein Flüssigkeitshaushalt bestellt ist. Richtig dehydriert war er allerdings nicht, dazu hat er heute Nacht viel zu viel „rumgezappelt“, dehydrierte Hörnchen sind meist sehr lethargisch. Gerne alleine sein will er auch nicht und klettert nach der Fütterung schnurstracks in den Pulloverkragen und bleibt dort liegen. Also wieder ein Hörnchen, das uns beim Blogschreiben und beim Hausputz über die Schulter schaut.

Badezimmermädels

Die drei Mädels machen sich gut, auch bei Lilly sind langsame Verbesserungen zu erkennen, aber sehr langsam. Einen Keks oder Wassermelone ohne Hilfe zu knabbern geht schon. Allerdings wird es für uns immer schwieriger aus dem Badezimmer rauszukommen. Die Drei fordern Aufmerksamkeit, 7 qm Badezimmer reichen so langsam nicht mehr und sie sind schneller wieder an uns „drangesprungen“, als wir in Hürdenlaufmanier über die Bande gestolpert sind. Sie dürfen dann morgen, wenn Lino und Lina ausgezogen sind, in das Wohnzimmer wechseln.

Das erste Video kann man schon mal hier sehen, es werden aber noch weitere folgen, wir kommen einfach nicht nach …

02.06.2022

Mehrgenerationenwohnen leider gescheitert

Tja, wir sind ja immer sehr harmonierbedürftig und möchten das unseren Hörnchen auch „antun“. Deshalb versuchen wir immer verschiedene Altersgruppen in dem großen Wohnzimmer zu halten. Klappt leider immer mehr oder minder gut. Bei den 5 Hörnchen aktuell nicht. Es ist aber nicht so, dass die beiden Großen „Lina & Lino“ die Kleinen „Lilly, Fee und Lotta“ jagen würden, im Gegenteil, sie springen immer schön über sie hinweg, klauen ihnen kein Futter, überhaupt kein Feindkontakt, im Gegenteil, die kleine Fee schwingt auch schon mal ihre Tatze gegen die große Lina, die kleine Lotta faucht wie ein Löwe, wenn der große Lino sich nur „annähert“. Nein, es geht vielmehr darum, dass vor allem Lilly mit ihrem Schädelhirntrauma, als auch Lotta mit ihrem extremen Untergewicht vor diesen 2 großen Hörnchen „Angst“ haben. Lina und Lino rennen und springen in einem atemberaubenden Tempo durch das Wohnzimmer, wie gesagt, ohne die Kleinen irgendwie anzugreifen. Aber diese Schnelligkeit weckt offensichtlich schon die ersten Ängste vor Angriffen, das ist in den Genen verankert, das kann man auch nicht wegdenken, gut so, denn sonst wären sie nicht auswilderungsfähig, aber genau darauf müssen wir natürlich Rücksicht nehmen. Den Stress sollen die Kleinen in der Aufzucht natürlich nicht erleben, sie sollen in Ruhe und Frieden wachsen dürfen. Also haben wir die Drei erst mal ins Badezimmer umquartiert, da saßen schon öfters Hörnchen. Keine 10 Minuten nach dem Umzug tollten die drei -locker lässig- über die mit Fleecedecken überdeckten Fliesen. Da die Schafskälte mit 14 Grad auch Einzug gehalten hat, freuten sie sich auch noch über eine lauwarme Heizung.

Mit jedem Eichhörnchen, mit jeder Eichhörnchengruppe, lernen wir dazu. Toll, so soll es sein. Und nein, es ist nicht so, dass andere Pflegestellen uns dabei unterstützen könnten. Wir sind unter den Eichhörnchenpflegestellen ein kleiner „Exot“. Es gibt einige wenige Päppelstellen, die so viel Wohnraum zur Verfügung haben, dass sie ihnen ganze Zimmer zur Verfügung stellen können, andere halten die Eichhörnchen in entsprechend großen Käfigen. Letzteres ist nicht unser Ding, also müssen wir einfach ab und zu „improvisieren“ und wenn es dazu führt, das Badezimmer für ein paar Tage aufzugeben. Wir laufen deshalb auch nicht „ungeduscht“ durch die Gegend, da kann man sich mit den Hörnchen schon absprechen 🙂

Fazit: Generationenwohnen bei Eichhörnchen funktioniert, allerdings müssen auswilderungsfähige Hörnchen in die Auswilderungsvoliere übersiedeln. Ist das, aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, nicht/noch nicht möglich, klappt das mit dem Generationenwohnen nicht, aber nur, weil die Kleinen „Angst“ vor dem Tempo der Großen haben, sie tun ihnen nichts.

Die beste Nachricht des Tages

Eigentlich sollten Lina und Lino schon längst im Auswilderungsgehege sein, allein der Abszess an der Nase von Lina hat das ausgebremst, denn ein geöffneter Abszess im Auswilderungsgehege, in dem wir keine Chance mehr haben an die Beiden, insbesondere an Lina, „dranzukommen“, war für uns keine Alternative. Den beiden ist das 23qm Wohnzimmer zu langweilig, Lina springt locker aus dem Stand 2 1/2 Meter. Lino ist nicht weit dahinter. Und, heute morgen schaute Lina von der Vitrine herunter und hatte einen Hautfetzen auf der Nase. Entweder hat sie sich den Abszess selbst aufgekratzt oder er ist geplatzt. Leider war der „Ausgang“ oben auf der Nase und es ist nicht alles „rausgeflossen“. Also, wir die Kleine gepackt und den ganzen Schmodder rausgedrückt bis Blut kam. Und wer jetzt glaubt, sie lässt das so über sich ergehen, obwohl sie uns ja kennt, falsch! Wir sind beide ordentlich gebissen worden, aber, es waren „Warnbisse“, ein bisschen fester als sonst „im Spiel“. Wenn man bedenkt, dass sie uns bis zu den Knochen durchbeißen könnte, dann hat sie das definitiv nicht getan. Und ja, klar hätten wir Handschuhe anziehen können, Ziegenleder usw., aber damit hätten wir nie den Abszess ausdrücken können, da ist null Gefühl in den Fingerspitzen. Im Endeffekt müssen wir jetzt hoffen, dass es sich weder entzündet noch sich wieder füllt. Das werden die nächsten Stunden/Tage zeigen. Lina selbst turnte schon ein paar Minuten später wieder auf uns rum, sie hat es vergessen oder ist uns nicht böse. Wir würden uns sehr für die beiden freuen, wenn wir sie am am Wochenende in die Auswilderungsvoliere übersiedeln können, denn die drei derzeitigen Insassen -Balou, Alya, Flora – dürfen zum Wochenende raus. Und dann, dann haben die drei Kleinen das Wohnzimmer für sich und wir haben ein hoffentlich spannendes und erfolgreiches Eichhörnchenwochenende hinter uns.

Spende

Noch eine ganz tolle Sache hat uns diese Woche erreicht. Wir haben vom KiJuPa Waltrop überraschender Weise eine Spende bekommen. Vielen, vielen Dank auch an dieser Stelle noch mal dafür. Wir hatten vorher nie eine Verbindung zum KiJuPa und wir können die Mitarbeiter*innen und das Jugendamt dahingehegen unterstützen, dass wir in der hörnchenfreien Zeit Kinderinfoveranstaltungen – ähnlich der Veranstaltung im Wildwald Vosswinkel – anbieten und unsere „Nachwuchskräfte“ über Eichhörnchen informieren. Der Erlös kommt natürlich zu 100% dem Verein Aktion Eichhörnchen e.V. zu Gute. Wir freuen uns über solche Angebote und nehmen sie gerne wahr.

Ein jugendlicher Eichkater gestern aus Iserlohn hat es leider nicht geschafft. Er hatte exorbitanten Durchfall, hatte schon leichte Krämpfe und später Schnappatmung. Die Nacht hat er leider nicht überstanden, da steht man dann ziemlich hilflos da, auch wenn man weiß, man kann nicht alle retten, so ist es doch traurig.

Gerade kündigen sich noch 2 Notfellchen an, die aber zur Pflegestelle nach Castrop Rauxel gegangen sind.

29.05.2022

==> im Außwilderungsgehege Balou (m, 10 Wochen alt), Alya und Flora (w, ca. 11 W),

==> im Wohnzimmer: Lino und Lina, Lilly & Fee & Lotta

Im Gleichschritt vorwärts!

Anders kann man die Situation hier in „Hörnchenhausen Unna“ derzeit nicht beschreiben:

Lino und Lina werden immer „schneller“, sie rasen mit Topgeschwindigkeit durch das Wohnzimmer, legen Sprünge und Stunts hin, die in Käfighaltung nie möglich wären, sie sind voll im Training. Ein im Ausverkauf angeschaffter Papageienring ist Linos „Lieblingsturngerät“. Allein der Abszess von Lina an der Nase, der nicht „reifen“ will, macht uns Sorge. Unsere TA ist informiert. Lina allerdings jetzt noch mal zur TA zu bringen und evtl. den Abszess öffnen zu lassen, wäre eine Katastrophe und zwar nicht nur für Lina, sondern auch für uns, denn sie würde das Vertrauen in uns verlieren. Schauen wir mal, vielleicht brauchen wir einfach nur noch mehr Geduld. Wir möchten nur nicht, dass der Abszess sich erst im Auswilderungsgehege öffnet, da sind die hygienischen Bedingungen natürlich nicht so wie bei uns im Wohnzimmer, wobei das auch nicht „keimfrei“ ist, das geht mit den anderen Hörnchen und dem Oliven-Kletter-Baum schon gar nicht, ist auch absolut nicht unser Anspruch. Aber, wir könnten, wenn er aufbricht, zumindest mit Manuka-Honig-Salbe eine heilende Atmosphäre auf der Nase schaffen.

Lotta hat sich neben Lilly und Fee gut eingelebt. Lilly mit ihrem Schädelhirntrauma schlägt sich tapfer, es wird immer besser, aber langsam, sehr langsam. Heute Nacht hat sie mich allerdings aus „dem Schlaf gerissen“, als sie um 2.30 Uhr an meinem Ellenbogen angelangt war und so lange „rumort“ hatte, bis ich -natürlich- aufgestanden bin, ihr eine Milch warm gemacht, sie 4ml geschlabbert hatte und ich sie dann wieder zu Fee legen konnte. Das sind die Momente, die man nie vergisst, unbeschreiblich und dafür steht „Mama Öck“ auch mal gerne auf.

Die Besatzung des Wildwald-Auswilderungegeheges kann sich so langsam auf die Auswilderung vorbereiten. Balou, Alya und Flora sind fit, zeigen sich kaum noch und flitzen weg, wenn wir kommen, d.h. sie haben den Bezug zu uns komplett verloren. Spätestens Ende nächster Woche werden wir das Gehege öffnen und dann gilt es für sie „Waldschule abgeschlossen, ab in die Freiheit“. Aber darüber berichten wir natürlich noch gesondert.

Die 6 schon „Ausgewilderten“ (Keks, Krümel, Kasimier, Lieselotte, Hanna und Lydia) sehen wir tatsächlich mehr oder weniger regelmäßig an den Futterstationen. Sie sehen gut aus, machen einen fitten Eindruck und wenn sie ganz mutig sind, dann krabbeln sie auch noch mal an uns hoch, aber sehr selten. Ansonsten ist es sehr interessant zu sehen, wie sie auf alle Geräusche des Waldes hören, sei es auf den Ruf des Eichelhähers, sei es auf „Goliath“, den Buntfalken, der in seiner Voliere sitzt, auf „überfliegende Wildgänge“, die Schafe oder die Pommerngänse mit den 3 kleinen – adoptieren – Nachwuchsgänsen. Sie hören alles, sie achten auf alles. Perfekt, genau so wie es sein soll!

Die Notfälle reißen leider auch noch nicht ab. Eine adulte Eichkatze, mit Maden und Zecken übersäht hat es leider nicht geschafft, wie auch die 2 ½ Wöchlerin „Nora“ die vorbildlich angeliefert wurde. Leider fehlte ihr jeglicher Saug- und Schluckreflex, dann wird es natürlich sehr schwierig. Sie ist viel zu schnell über die Regenbogenbrücke gegangen.

Und aus gegebenem Anlass müssen wir leider auch noch eine Sache loswerden:

Wenn ihr im Garten oder auf dem Balkon Eichhörnchen oder überhaupt irgendwelche Wildtiere füttert, bitte, bietet ihnen „flache“ Wasserschalen an. Flach bedeutet dabei, nicht höher als 2 cm, also keine Tassen oder hohe Futterschalen. Wir nehmen immer Pflanzenuntertöpfe, die gibt es auch in der frostsicheren Version. Wenn ihr dann noch ein paar Kieselsteine reinlegt, damit die Insekten sich daraufsetzen und den Rüssel ins Wasser halten können, wäre das toll. Hintergrund ist folgender: Eichhörnchen, wie auch Igel, brauchen flache Schalen, denn, sie „schlabbern“ das Wasser mit der Zunge. Ist die Schale nicht flach, tauchen sie mit der Nase unter und ziehen sich über die Nase das Wasser in die Lungen. Ganz schlecht. Ich selbst habe davon kein Bild, aber Julian Rad, Tierfotograf aus Österreich (https://radwildlife.com/), hat so viele tolle Bilder und deshalb hier mal eins zu Veranschaulichung, warum das so sein muss.

25.05.2022

Friedliches Zusammensein im Wohnzimmer!

105 | 83 | 125 nein, sind keine „menschlichen“ Körperumfänge, sondern die Gewichtsklassen der Kleinsten im Wohnzimmer, in der Reihenfolge Lilly, Lotta und Fee. Lotta durfte nach ihrer Quarantänezeit endlich zu Lilly & Fee. Die ersten Begegnungen waren „verhalten“, nach der ersten gemeinsamen Nacht im Körbchen tobten Fee und Lotta schon gemeinsam am Tippi. Lilly hängt mit ihrem Schädelhirntrauma leider noch ein bisschen hinterher. Sie nimmt zwar kontant an Gewicht zu, aber sie ist noch nicht so mobil/wendig. Aber – im Vergleich vor 2 Wochen – läuft sie mittlerweile ihrer Nase nach vorwärts, belastet alle vier Pfoten, das ist schon ein großer Fortschritt, ab und zu, vor allem wenn sie aufgeregt ist, wackelt der Kopf nach wie vor wie bei einem Wackeldackel auf einer Schotterpiste. Weiter so Lilly, du bekommst von uns alle Zeit, die du brauchst, Hauptsache, wir können dich mit Fee & Lotta in den Wildwald Vosswinkel auswildern, alle unsere Daumen sind gedrückt!!!

Die Großen, Lina und Lino, toben schon durch das komplette Wohnzimmer. Lina hat einen ordentlichen Abszess an der Nase. Sie ist bei uns mit einer sehr, sehr blutigen Nase angekommen, offensichtlich hat sie dabei auch ungeplant noch ein paar Schmutzpartikel mit in die Nase aufgenommen, die sich jetzt entsprechend bemerkbar machen. Über ihre Milch, die sie morgens und abends noch gerne nimmt, bekommt sie homöopathische Mittel, die den Abszess zum „reifen“ bringen, so dass er hoffentlich bald platzt, ähnlich wie bei Keks vor ein paar Wochen. Eichhörnchen sind leider anfällig für Abszesse, damit kämpfen wir schon seit Jahren, die Erste war quasi Alexa, deren Abszess aber so verkapselt war, dass er von der TÄ eröffnet und gespült werden musste. Auch für Lina sind alle Daumen gedrückt.

Die Hörnchen im Auswilderungsgehege haben jetzt auch so diverse Wetterunruhen mitbekommen. Morgens sehen wir vor allem Balou, Langschläferinnen Alya und Flora sind eher später unterwegs. Dafür sind unsere „frisch Ausgewilderten“ Keks, Krümel, Kasimir, Lieselotte, Hannah und Lydia fast jeden Tag am Vogelfutterhäuschen zu sehen. Sie haben offensichtlich eine Schlafstätte gefunden, freuen sich über das „noch“ bereitgestellte Futter, gehen aber ansonsten ihre ersten, eigenen Wege und fauchen sich an der Futterstation auch mal an. Das sind die ersten Anzeichen dafür, dass sie zu „Einzelgängern“ werden. Interessant für uns, sie zu beobachten und zu sehen, in welch‘ kurzer Zeit sie ihre „Baumwipfelpfade“ erschlossen haben, wie sicher sie in 5-6m Höhe unterwegs sind, absolut schwindelfrei, wenn auch noch nicht immer „trittsicher“!

Diverse Eichhörnchentagesgäste haben uns in den letzten Tagen leider auch erreicht. Wir machen häufig nur noch eine Sterbebegleitung, nicht schön für uns, aber wir können sie nicht alle retten, das wissen wir. Diese Notfälle führen natürlich auch dazu, dass Mann|Frau, Ü50, an der Drogeriekasse seltsam angeschaut werden, wenn Einmalunterlagen für Babys und Babygläschen auf dem Förderband liegen …

Ein ganz lieber Dank geht aktuell auch noch an Birgit, die uns eine ganze Tasche mit Wal- und Haselnüssen gebracht hat, in Kürze trifft auch noch eine Walnussspende von Ebay-Kleinanzeigen ein. Die Verkäuferin wollte, nachdem sie auf unseren Seiten „gegoogelt“ hat, nur noch die Versandkosten. Gerne … unser Nusslager ist noch nicht leer, aber es wird definitiv bis September|Oktober, bis die Ernte aus 2022 anfällt, definitiv nicht reichen. Wir versuchen schon über die fallenden Preise bei den Discountern nachzuordern, allerdings sind die Nüsse teilweise grenzwertig und auch für Eichhörnchen nicht mehr sorglos genießbar. Leider. Es ist jedes Jahr das gleiche Problem. Nur unser Keller ist auch nicht unendlich groß, die Nüsse, Maiskolben, Tannenzapfen, Scuries Wintermix, Zirbelnüsse, Bucheckern, Buchweizensamen, Tannenknospen etc. müssen alle irgendwo getrocknet und trocken und sicher gelagert werden, das ist gar nicht so einfach.

Ein/Zwei Videos wird es demnächst auch geben, dazu werden wir den Feiertag nutzen, das kommt im Moment zu kurz, weil „Hörnchen first“ …

22.05.2022

„Multiples Organversagen an meinem Recher hat den Blog jetzt leider zeitlich ein bisschen nach hinten verschoben…“

==> im Außwilderungsgeheger Balou (m, 9 Wochen alt), Alya und Flora (w, ca. 10 W),
==> im Wohnzimmer: Lino und Lina, Lilly & Fee
==> in Quarantäne: Lotta

Hochs und Tiefs!

Unsere Höhen und Tiefen sind Peanuts gegen Dorchen und Emmelinde, das wissen wir, nichtsdestotrotz beschäftigen sie uns auch.
Am 20.05. kam „Lotta“ zu uns, eine kleine Eichkatze 66g schwer, ca. 5-6 Wochen, obere Schneidezähne noch nicht vorhanden, für ihr Alter viel zu leicht (Lino & Lina sind beide über 130g, gleiche Altersklasse). Sie ist aber sehr lieb, lässt sich gerne anfassen und knuddeln, beißt nicht, keine Flöhe, aber Zecken! Nach Aussage einer Tierärztin waren die letzten Winter einfach zu warm, die Zeckenpopulation hat sich exorbitant vermehrt, sie merkt es auch bei „Hund und Katz“, die in ihrer Praxis behandelt werden. Insbesondere am Nasenspiegel sind Hörnchen befallen, denn dort ist das Fell am kürzesten, da haben die Zecken den besten Angriffspunkt. So auch bei Lotta. Aber sie ist eine ganz brave, sie lässt sich Zecke für Zecke ziehen, ohne zu wimmern, sie macht einfach die Augen zu und lässt es geschehen. Man bedenke, sie ist ein Wildtier, nicht an Menschen gewöhnt und lässt das über sich ergehen! In einem Seminar hat ein Wildtierpfleger mal folgenden Spruch losgelassen:
“ Wenn ein Wildtier eine Pflegestelle überlebt, ist es fit für die Normalität!“
Der Satz sagt viel aus, sowohl für die Wildtiere als auch für die Pflegestellen. Wir können die Normalität der Wildtiere in einer Päppelstelle nicht nachstellen und jedes Wildtier, das damit klar kommt, sollte in seiner normalen, gewohnten Umgebung zurecht kommen. Ja, würden wir zustimmen. Wer eine bessere Lösung hat, möge sich mit Vorschlägen melden! Und nein, die Tiere verenden zu lassen ist für uns keine Lösung, denn wir nehmen ihnen den Lebensraum!
Aber zurück zu Lotta: Im Moment ist sie noch in Quarantäne, hat leider ganz viel Langeweile und meldet sich lautstark aus ihrer Softbox, dass sie doch neben AI bitte ein Animationsprogramm haben möchte (quasi wie in den einschlägigen Ferienclubs). So wie es die Zeit erlaubt, bekommt sie das natürlich, manchmal ist sie auch einfach nur zufrieden, wenn sie in einer Jackentasche schlafen kann und durch die Gegend geschaukelt wird, das kann auch mal beim Hausputz sein, das ist ihr völlig egal!

Einen adulten, weiblicher Notfall aus Südkamen haben wir auch aufgenommen, sie ist aber leider am Abend dann über die Regenbogenbrücke gegangen. Wir haben alles versucht, vergeblich. Es sind die Momente, die man natürlich überhaupt nicht schätzt, aber wir wissen, dass wir nicht alle Hörnchen retten können. Meist suchen Wildtiere erst dann menschliche Hifle, wenn es schon zu spät ist, oder sie werden erst gar nicht gefunden.Den Findern & Spendern ganz lieben Dank für’s „Bringen“, das hilft uns ungemein, denn die Fütterungszeiten stehen nun mal „in Stein gemeiselt“ und da möchten wir zum Wohl der Tiere auch nicht abweichen.

Diverse Notrufe am Telefon von Ennepetal bis Werl/Soest/Hamm wurden entsprechend weitervermittelt, unsere Kapazitäten, vor allem zeitlich, sind begrenzt. Es fehlt einfach an Pflegestellen und die Vorhandenen arbeiten jetzt schon seit ein paar Wochen/Monaten am Limit.

Die Besatzung im Auswilderungsgehege im Wildwald Vosswinkel zeigt sich noch spärlich, aber alle sind sehr früh morgens aktiv, so soll es sein. Die letzten Ausgewilderten kann man am großen Vogelfutterhaus, gegenüber dem Auswilderungsgehege, gut beobachten. Man muss nur ruhig stehen bleiben, dann kommen sie nach nun nach vorbei. Herrlich, wenn man seine Schützlinge wohlbehalten in der Freiheit sieht und sie beobachten kann, wie sie sich die ersten Baumwipfelpfade „erarbeitet“ haben, aber auch noch gemeinsam im Vogelhaus frühstücken. Das wird definitiv nicht so bleiben. Je länger sie „wild“ sind, um so höher wird der Gruppendruck, d.h. es wird Futterstreitigkeiten im Vogelhaus geben. Das ist dann für uns der Zeitpunkt hier nur noch Vogelfutter auszulegen und die Hörnchen müssen sich ihre eigenen Futterquellen erschließen, die Natur hat derzeit sehr viel zu bieten.

Lino und Lina im Wohnzimmer sind topfit, sie toben durch den Tag.

Lilly & Fee stehen mit ihrem Körbchen auch schon im Wohnzimmer, sie wagen ab und zu Ausflüge, aber noch nicht sehr oft. Das sollen auch sie selbst entscheiden, wann sie sich sicher genug fühlen über den Körbchenrand zu gehen. Sie legen beide zu, bei Lilly mit ihrem Schädelhirntrauma gibt es Verbesserungen, aber es wird noch dauern, sie ist in keinem Fall so fit wie Fee.

Und abschließend hier noch mal ein ganz dickes, großes Dankeschön an alle Spender der letzten Tage! Wir schaffen es einfach nicht, uns persönlich bei Euch zu bedanken. Das versorgen der Hörnchen geht zur Zeit vor und leider hat auch unser Tag nur 24 Stunden (… vielleicht weiß ja jemand, wie man an „Überstunden“ drankommt) … einfach nur DANKE!!!!

19.05.2022

==> im Wohnzimmer: Lino (m, ca 6 W), Lina (w, ca. 5 W), Lilly & Fee (34 Tage alt, gerade die Augen geöffnet)
==> im Außengehege: Balou, Alya und Flora
==> in der Freiheit: Antonio

Turbulente Tage!
Heute gibt es mal einen eher emotionalen Beitrag. Die letzten Tage waren turbulent, deshalb gibt es den Blog nur unregelmäßig, denn nach wie vor gilt: die Versorgung der Hörnchen „first“

Der Umzug von Balou, Alya und Flora hat problemlos geklappt. Sie sind im Auswilderungsgehege im Wildwald Voßwinkel angekommen, genießen hier die Waldgeräusche, Regen, Wind, Sonne, Wärme usw.. Tja, und Antonio? Antonio war von Anbeginn immer „besonders“ und seine Auswilderung ist im Prinzip eine Fortfolge seines Charakters. Er war der Einzige, den wir in der Pause nicht in ein Häuschen sperren konnten. Mit dem Kescher fangen, ist überhaupt keine Option, viel zu viel Stress für das Tier. Also dachten wir, wird er „nachgeliefert“, zum Wohle des Tieres. Gestern Abend hat er sich in ein Holzhäuschen verzogen, Klappen zu, ab in Richtung Auto. Tja, da hatten wir mal wieder die Rechnung ohne Antonio gemacht. Antonio ist ein „Superleichtgewicht“, er ist nie richtig gewachsen und ist quasi auch mit seinen fast 10 Wochen nicht größer als jetzt Lina und Lino mit 6 Wochen und, was passiert: auf dem Weg zum Auto hat er sich durch den Lüftungsschlitz der Transportbox gequetscht und ist ab in das Wohngebiet „Kastanienhain“. Keine Chance, er hat sich quasi selbst „ausgewildert“. Es ist ja nicht so, dass wir hier im Wohngebiet nicht auch Eichhörnchen hätten, viele Nachbarn füttern ganzjährig, wir auf dem Balkon natürlich auch, aber wir hätten ihn lieber im Wildwald gesehen. Die Trauer/Entsetzen hat uns gepackt, aber wir können es nicht mehr ändern. Wir waren noch im Wohngebiet unterwegs, gestern Abend, wie auch heute morgen um 5 Uhr, gesehen haben wir ihn nicht. Antonio ist ein sehr, sehr pfiffiger Eichkater, wir können uns nicht erinnern, so ein aufgewecktes Kerlchen mal gepäppelt zu haben und er ist rasend schnell. Antonio, wir wünschen dir alles Gute, und wenn du dich mal im Föhrenweg zeigst, wäre das super toll. Wir drücken dir alle Daumen. Und die Lüftungsschlitze der Transportboxen werden noch heute mit Casanet abgesichert! Das passiert uns nie wieder!!!

Lino und Lina müssen wir aktuell erst aus ihrem Rückzugsgebiet Fleecebaum rausdrängeln. Die vier Großen haben ihnen teilweise schon Angst eingejagt, aber sie selbst brauchten ein größeres Bewegungsfeld, da müssen wir in den nächsten Tagen ein bisschen Unterstützung bieten. Ansonsten sind die beiden topfit, insbesondere Lina springt schon locker 1 1/2 Meter, alle Pfoten weit auseinander, Schwanz als Steuerrute weit nach hinten gestreckt, damit sie bei der Landung auf jeden Fall irgendwo Halt findet und wenn es im Moment erst mal nur auf dem nächsten Highboard ist, perfektes Flugverhalten! Sie müssen klettern und springen üben, im Käfig nur bedingt möglich. Und ja, natürlich „verspringen“ sie sich, sie springen auch mal an die Scheibe, unterschätzen die Distanz usw., das passiert auch in freier Wildbahn. Und was passiert im Wohnzimmer, wenn wir es gerade mal mitbekommen? Sie kuscheln sich für „Sekunden“ in die Hand, lassen sich durchknuddeln, beruhigende Worte und es geht weiter. Das, sind genau die Momente, die uns den ganzen Zeitaufwand, Stress, die Kosten usw. vergessen lassen, die Nächte, die wir aufgestanden sind, um sie zu füttern, es sind die Momente, die uns „weiter machen lassen“. Sie sind unbezahlbar und doch so wichtig. Es sind nach wie vor Wildtiere und es gibt nur sehr wenig Wildtiere, bei welchen das so problemlos klappt, d.h. die mit der Hand aufgezogen werden können und die über ein Auswilderungsgehege den Bezug zu den Menschen verlieren und wieder „wild werden“. Bei Uhu und Co. geht es nicht, bei Eichhörnchen sehr gut.
Und, um einfach mal auch darauf aufmerksam zu machen, es ist nicht nur Sonnenschein: es kommen -wie z.B. vor 2 Tagen – Erstversorgungfälle, Tiere, total abgemagert, voller Zecken und Flöhe, kaputte Vorderpfoten und ja, die bringen wir natürlich zum Tierarzt und lassen sie dann gehen, wenn sie nicht mehr ausgewildert werden können, sie sollen nicht leiden und wir versuchen immer alles zum Wohl der Tiere zu entscheiden, so schlimm das für uns selbst sein mag. Das sind dann die traurigen Seiten dieses „Hobbys“.

Lilly & Fee sind mit „ihrem“ Körbchen ins Wohnzimmer umgezogen, sie fangen ganz langsam an zu krabbeln und können dann schon mal die Couch erkunden.

Nach dem vielen Text jetzt aber noch ein paar Bilder:

17.05.2022

im Wohnzimmer:
Balou (m, 8 Wochen alt), Antonio (m, ca. 9 W), Alya und Flora (w, ca. 8 W), Lino (m, ca 6 W), Lina (w, ca. 5 W)
im Körbchen: Lilly & Fee (w, ca. 4 Wochen)
im Außengehege: niemand

Zu allerserst müssen wir eine traurige Nachricht überbringen:
Unser Puschel, den wir im letzten Jahr in das Residentengehege nach Erkelenz gebracht haben, ist überraschend am 16.05.2022 über die Regenbogenbrücke gegangen. Wir wussten alle, dass er angeschlagen war, die Sehkraft war nicht voll ausgebildet und er konnte sich nur in einem „bekannten“ Gehege bewegen. Michael hat ihm erst ein „Gehege im Gehege“ gebaut, dass er sich mit den beiden dort lebenden Eichkatern Woody und Shorty anfreunden konnte. Das hat alles geklappt und fortan lebte er mit den Zweien zusammen. Plötzlich hat sich, ohne irgendwelche Veränderungen, aber der Gesundheitszustand drastisch verschlechtert, der Gang zum Tierarzt war schon nicht mehr möglich, vorher ist er schon über die Regenbogenbrücke gegangen. Das macht so unfassbar traurig, denn er hatte dort ein ganz tolles Leben, im Residentengehege unter einer Trauerweide, mit Blick auf die belebte Pferdekoppel. Es tut uns so leid, sowohl für Michael & Andrea, die so viel für ihn getan haben, also auch für Puschel, dem wir dort ein langes Leben gegönnt hätten. Mach’s gut kleiner Puschel, wir werden dich nie vergessen!

Die 4 Großen im Wohnzimmer brauchen unbedingt einen Tapetenwechsel, wir werden sie morgen in die Auswilderungsvoliere im Wildwald Vosswinkel bringen, damit sie sich dort mit den Wetterverhältnissen (Regen, Nebel, Sonnenschein) und den Waldgeräuschen (derzeit Wildgänse, Käuzchen etc.) anfreunden können. Das Gehege ist vorbereitet, es fehlt nur noch die Naturbaumwolle in den Schlafkobeln.

Lino und Lina sind jetzt dauerhaft im Wohnzimmer, leider jagen ihnen die „stürmischen, wilden“ Großen, den ein oder anderen Schrecken ein. Da die morgen ausziehen, wird es für die Beiden dann auch ruhiger, sie können gelassen an das Buffet schreiten und sich bedienen, das kam in den letzten Tagen etwas zu kurz, was wir aber mit zusätzlichen Milchgaben aufgefüllt haben, die werden von den Beiden auch nach wie vor gerne genommen. Da zieht sich die kleine Lina mal eben 8ml Milch weg!

Mit Lilly (und natürlich Fee im Schlepptau) waren wir bei der TA. Sie hat ein Schädelhirntrauma, es war aber unklar, ob es wirklich nur das ist, oder ob nicht doch noch eine Schulterverletzung vom Sturz besteht. Um zu vermeiden, dass wir ein Eichhörnchen päppeln, dass später dann doch eingeschläfert werden muss, wollten wir Sicherheit haben. Und ja, es ist an den Knochen soweit alles in Ordnung, allein die Muskulatur ist durch die Kopfschiefhaltung degeneriert bzw. nicht wirklich vorhanden. Da ist baldiges Training angesagt … Und, zu guter Letzt hat Lilly heute ihr erstes Auge aufgemacht!

Tja, und unsere ausgewilderten, überaus wilden Eichhörnchen zeigen sich fast vollzählig an dem großen Vogelhäuschen gegenüber dem Auswilderungsgehege. Noch kann man friedlich zu dritt oder viert dort fressen, das wird sich in den nächsten Tagen/Wochen aber ändern. Sie werden immer mehr zu Einzelgängern und dann gibt es an der Futterstelle auch ordentlich Streitigkeiten. Das ist dann für uns der Zeitpunkt, die Futterstelle nicht mehr regelmäßig zu bedienen, sondern nur ab und an – auch für die Singvögel dort – etwas hinzulegen. Der Wald bietet aktuell genügend Futter, nur die ersten Tage wollen wir sie immer noch unterstützen. Eine Sorge für unsere kleinen Schützlinge weniger.