25.05.2026

Notstand bei allen Pflegestellen … verzögerter Blog

Es ist leider unglaublich, wie die explodierenden Temperaturen nicht nur uns, sondern auch die Wildtiere stressen. Deshalb, die große Bitte, weil die nächsten Tage immer noch sehr warm bleiben sollen, stellt flache (!) Trinkschalen auf, am Besten mit Kieselsteinen drin, damit auch unsere Insekten trinken können. Der BUND, Nabu und viele andere haben dazu sehr viele unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Die Natur braucht uns!

Kommen wir zu den Neuankömmlingen:

Ein Notruf aus Unna hat mich Tage beschäftigt. Eine Rollade wurde aufgrund der Hitze heruntergelassen, es flitzte eine Eichiemama raus und ein Kleines fiel raus. Gesichert. Ein Zweites folgte. Es war unklar, ob Mama zurückkommt. Mama wurde mit dem Babyrufton gelockt, erst passierte nichts, dann aber gegen abend kam sie, holte den Rest aus dem Rolladenkasten und nahm die beiden im „Erdbeerkörbchen“ auch noch mit. Super, tolle Mama!

Der nächste Notruf gestern morgen 4.17 Uhr … Ilker kam von der Arbeit und sah in der Hofeinfahrt eine Katze. Die lies was fallen und verschwand. Ein kleines Eichhörnchen. Er rief an und brachte mir den kleinen Peanut. Er war ziemlich kalt, deshalb durfte er eine zeitlang in der Premiumpostition im Unterhemd bei mir verweilen. Inkubator ist super und toll, aber oft hilft auch unsere Körperwärme und unserer Herzschlag besser, um die Tiere zu beruhigen. Mittlerweile ist er im Inkubator und die Körpertemperatur stabil. Danke an Ilker für´s bringen und das nach der Arbeit!

Dann kommen wir zu Lilo und ich glaube, da lasse ich ihn mal sprechen:

„Hej, ich sitze hier, finde seit einem Tag meine Mama nicht und irgendwie geht es mir gar nicht gut! Ich brauche Hilfe! Ich verstecke mich im Unterholz und warte mal, wer da vorbei kommt…..

Oh, da kommt eine Familie, Veronika, die Mama, mit ihren Kindern Paulina und Matilda und Jagdhund Lumi. Hui, Jagdhund, der mag mich bestimmt nur als Futter! Risiko! Aber ich brauche doch Hilfe! Egal, ich versuch´s bei den Kindern. Auf den Schuh gehopst wieder runter in Unterholz, wieder zurück usw…. Veronika ist aufmerksam geworden, das kannte sie noch nicht, dass Hörnchen auch um Hilfe bitten.

Kurzerhand mich „eingepackt“, was mit 2 Kindern, einem Jagdhund, dessen Interesse geweckt, gar nicht so einfach war und dann den Weg nach Hause. Aber sie haben es alle gemeistert. Dann hat Veronika in so einer „Pflegestelle“ angerufen, was denn zu machen wäre. Es gab noch kurze Abstimmungsgespräche zwischen den Pflegestellen von „Aktion Eichhörnchen e.V.“ , in welcher wir landen können. Geklärt, es geht nach Unna! Dorthin wurde ich in einer Kiste mit Handtüchern ausgelegt und vielen Luftlöchern transportiert.

© Veronika

Eine Autofahrt, hatte ich in meinem kurzen Leben noch nie!
Dann wieder eine andere Wohnung, da hörte ich aber schon Hörnchengeräusche! Das hört sich gut an, ich bin nicht alleine! Dann hat mich Pflegekraft Swiffy aus dem Karton geholt, die Hände rochen komisch, ok, Latexhandschuhe, macht sie wohl, weil sie nicht wusste, was ich alles mitbringe. Kurz begutachtet, dass ich ein Eichkater bin und ein ganz besorger Blick: Fliegeneier, da ist höchste Eile geboten. Noch ein kurzes Pläuschen mit den Finderinnen (da entstand der Name Lilo), der pinkfarbene Kuschelball wurde mir überlassen (Danke!) und dann wurde es ruhig. Ich hörte es nur noch wuseln, da wurden Schränke geöffnet, komische Geräusche gemacht, ich wusste gar nicht was da jetzt auch mich zukommt. Wenige Minuten später wurde ich wieder aus der Minitransportbox geholt. Ich war aber so aufgeregt, dass sie mir ausnahmsweise erst mal was zu trinken gab: Elektrolyte, keine Ahnung, was das ist, aber war lecker, aber viel zu wenig, aber ich vermutete, da kommt irgendwann noch mehr, der erste Durst war gestillt! Dann kam sie mit einem Kamm. Ich war völlig verwirrt, verängstigt, hab´ gestrampelt wie blöde und Swiffy hat geschimpft, ich soll doch mal „stillhalten“. Sie kämmte diese gelben Schuppen aus dem Fell und das auch noch gegen den Strich!!! Dann wurden die Vorderpfoten angehoben, die Hinterpfoten … überall flogen „Holzspäne/Schuppen“ raus, ganze Nester!
„Aber pass´ bitte auf meinen Harnzapfen auf, der ist empfindlich!! “ Klar, hat sie auch gemacht, ganz vorsichtig und da habe ich dann auch stillgehalten. Ich habe da schon ganz viel mit ihr kommuniziert, aber irgendwie versteht sie mich nicht und ich versteh sie auch nicht, komische Sprache.
Und dann kamen wir zum Schwanz „auskämmen“, denn der war auch voller Fliegeneier. Dann wurde es plötzlich leiser, Swiffy entgleiteten die Gesichtszüge: „Sch …“, Schwanzabriss, Wunde offen, Fliegeneier dran. Und dann zupfte sie die Fliegeneier mit einer Zeckenzange, weil die so schön gebogen ist, aus der Wunde raus. Das war unangenehm, aber ich hoffte, dass sie weiß, was sie tat. Dann kam noch ein Spray und Salbe drauf. Danach wurde sie wieder hektisch. Ich wurde kurz in die Box zurückgelegt, ich hörte wieder Türen usw, ich kann die Geräusche gar nicht ausmachen … dann wurde ich wieder rausgeholt und es gab noch mal Elektrolyte, die schmeckten aber anders. Da ist wohl was dringewesen, dass, wenn die Maden schon durch die Wunde gekommen sind, die mich nicht von innen auffressen. Hilfe, das ist ein kleines Damoklesschwert über mir, da müsst ihr mir ganz fest die Daumen drücken!
Dann musste ich noch Pipi machen, da hat sie auch gesagt: „Das ist viel zu gelb, das muss besser werden!“

Und dann durfte ich erst mal Pause machen, bis zur nächsten Fütterung.

Auch da wieder durchgekämmt, gegen den Strich, vorwärts, rückwärts, Pfoten hoch … ich fühlte mich wie bei einer Verhaftung, die Schwanzwunde kontrolliert usw, usw. ….

Auch bei der nächsten Fütterung, gleiches Spiel … und dann sagte sie: „Ich glaube wir haben alles, inklusive der Flöhe!“ Oh schade, hatte mich gerade so an das kämmen gewöhnt, tut gut und ich habe voll stillgehalten, bin auch dafür gelobt worden.

Einzig meine Unterkunft ist noch ein bisschen klein, aber die wird heute vergrößert. Und wenn meine Quarantänezeit vorbei ist, darf ich zu Mike, denn, der hat gestern auch noch seinen Bruder Robby verloren, da hat Swiffy bitterlich geweint.

Swiffy: Robby, aus dem Föhrenweg, Microhörnchen. Ihre Lebensdauer ist auf jeden Fall geringer als bei normal großen Eichhörnchen, aber dass er nur so kurz lebt, damit habe ich nie gerechnet. Morgens ist mir schon aufgefallen, dass er von 92g auf 87g wieder zurückgefallen ist, hat aber noch mit seinem Bruder getobt und gekuschelt.

Als ich nachmittags die 6Linge füttern wollte, saß er auf dem Kletterhörnchen und blutete aus dem Mäulchen. Ihn sofort rausgeholt und nachgesehen. Beide waren Selbstversorger! Es dauerte keine 10 Minuten und er ist in meiner Hand eingeschlafen, für immer! Ich weiß nicht was schlimmer ist: Eichhörnchen plötzlich tot in der Box liegen zu sehen oder sie in der Hand sterben zu sehen. Das Ergebnis ist das Gleiche und es ist schlimm. Mach es gut mein Kleiner, auf Wolke 785, es tut mir so leid, dass dein Leben so kurz war!

Lilo: „Jetzt ist der arme Mike alleine und ich auch. Aber ich brauche noch ein paar Quarantänetage, aber dann … Ich kann Mike sehen, quer über die Küche, da sitzt er …. „

Swiffy: Aktuell läuft heute der Umzug von Fluffy, Sofie, Frieda & Freddy aus dem Wohnzimmer in den Wildwald Vosswinkel. Dort habe ich gestern Amy schon in die Freiheit ziehen lassen, sie tanzte stereo vor der Schleusentür. Frodo und Fridolin wollten noch gar nicht. Also gehen sie in die Verlängerung und die anderen vier kommen dazu, so ich sie denn eingefangen bekommen. Aber das ist der nächste Blog.

Allen anderen Findern, deren Hörnchen jetzt nicht erwähnt wurden, sei gesagt, es geht ihnen gut, ich werde berichten, aber die Umzüge, die Anzahl der Notrufe machen es aktuell nicht leicht nebenbei noch einen Blog zu schreiben, Bilder zu machen usw, usw…..

Zum Abschluss noch ein Tipp: es gibt die Internetseite „Wildtier SOS“ dazu auch eine App, die einen beim Auffinden von Wildtieren „berät“ und Pflegestellen in der Nähe anzeigt. Aktion Eichhörnchen ist natürlich auch gelistet. Sie ist sehr empfehlenswert und so schnell es meine Zeit erlaubt, wird sie auch hier auf der Internetseite und bei Eichhörnchen in Not verlinkt.

Ich wünsche euch einen sonnigen Pfingstmontag und immer ein kühles Fußbad am Fuß!